Australien - das fliegende Fahrrad
Der weltberuehmte Mc Donald Kaefer
Nach knapp 24 stuendiger komfortabler Zugfahrt und 1500km bin ich in Alice Springs angekommen.
Dort habe ich nur meine Vorraete ergaenzt und bin am folgenden Tag aufgebrochen um den "RED CENTER" (die rote Mitte Australiens) zu erkunden.
Auch einen neuen Fahrradhelm habe ich im Strassengraben gefunden. (Bauhelm)
Ich fuhr als erstes in die Mac Donnall Range, einem sehr schoenen Gebirgszug durch den man auch zum Wahrzeichen von Australien, dem Uluru(Ayers Rock) radeln kann.
Leider spielt schon seit laengerem das Wetter in Australien verrueckt und somit ist die von mir geplante Strecke mal wieder ins Wasser! gefallen. Aufgrund von ungewoehnlich starken Regenfaellen waren die Strassen gesperrt. Also hiess es, die gleiche Strecke zurueck zu radeln und den Highway zum Uluru zu nehmen.
Wieder in Alice Springs angekommen habe ich mit anderen Weltenbummlern ueber die Hilfsbereitschaft im allgemeinen und von den Australiern im speziellen philosophiert. Ich finde es eine tolle Eigenschaft und habe mir vorgenommen, diese staerker selber zu praktizieren.
Als ich mich dann am naechsten Tag auf den Weg zum Uluru begeben hatte, wurde meine guter Vorsatz auch gleich auf die Probe gestellt. Nach der Haelfte der Strecke hielt ein Auto am Strassenrand und der Fahrer, ein Aborigines, fragte mich ob ich sein Auto fahren koennte, da er extrem muede sei und ganz dringend nach Adelaide muesse. Ich war froh, endlich auch mal einem Australier helfen zu koennen und somit lud ich mein Gepaeck in den Kofferraum und er mein Rad aufs Dach. Nachdem ich ihn gefragt hatte, ob er mein Rad gesichert hat und er es bejahrte bin ich, OHNE ES ZU UEBERPRUEFEN, losgefahren. Nachdem ich die 80 h/km ueberschritten hatte, hoerte ich ein Rumpeln auf dem Dach und mit einem Blick in den Aussenspiegel konnte ich mein Rad beobachten, wie es sich von einem “Fahr”-rad in ein “Flug”-rad verwandelte. Da es fuer mein Rad die erste Flugerfahrung war, wurde die Landung eine grosse Herausforderung, die dann leider mit einem sehr schlechten Ergebnis endete. Das Rad sah uebel aus und ich musste feststellen, dass der Aborigine das Rad ueberhaupt nicht gesichert hatte. Da aenderte sich meine Gemeutsverfassung schlagartig. Ich wuerde sie in diesem Moment als auesserst aggressiv und wuetend beschreiben. Der Aborigine bekam dies mit (ich verstehe gar nicht wie) und wollte mich direkt auf die Strasse setzten. Daraus wurde nichts, denn ich bin ja gefahren und wollte natuerlich an einem Ort aussteigen, an dem ich Hilfe bekommen koennte, wenn das Rad nicht mehr funktionsfaehig sein sollte. Also fuhr "ich mich" zu dem vereinbarten Roadhouse. Dort angekommen, habe ich mein Rad abgeladen und er mein Gepaeck. Danach ergriff er schlagartig die Flucht. Wie sich leider nur Minuten spaeter herausstellte, mit meinen Zeltstangen. Da war die Freude wieder gross, so gross dass ich direkt die Polizei rief (man stelle sich vor, wegen ein Paar Zeltstangen) Die konnten verstaendlicher Weise nichts machen, da ich weder Handynummer noch Autokennzeichen notiert hatte. Aber die Polizei, in Australien wirklich dein Freund und Helfer, hat mich in Hoechstgeschindigkeit zurueck nach Alice Springs gefahren, direkt zu einem Campingzubehoershop, in dem ich neue Zeltstangen kaufen konnte. Anschliessend trampte ich zum Roadhouse zurueck und kam gerade mit einem riesen Gewitter dort an. Zur Kroenung des Tages durfte ich dann auch noch mein Zelt im stroemenden Regen aufbauen.
Ich liebe das Abenteuer, aber so etwas brauche ich dann doch bitte nicht oefter.
Am naechsten Morgen bin ich zum Uluru getrampt. Im Jahr 1985 wurde unter anderem das Land, auf dem sich der Uluru (Ayers Rock) und die Kata Tjuta (Die Olgas) befinden, an die Aborigines zureuckgegeben. Diese haben es dann fuer die naechsten 99 Jahre an die Regierung verpachtet. Seit diesem Zeitpunkt benutzt man die original Aboriginesnamen Uluru und Kata Tjuta.
Anfangs war ich kein richtig ueberzeugter Besucher des Ulurus. Ich bin nur hingefahren, weil es sich um das Wahrzeichen von Australien handelt und ich nur noch 250km davon entfernt war. Im nachhinein bin ich wirklich froh dort geweesen zu sein. Ich war begeistert, denn die "Beiden" sind sehr beeindruckend. Nicht nur die Groesse, sondern auch die Beschaffenheit des Steines, sowie die vielen Geschichten und Myhten, die diesem Stein so einzigartig und interessant machen.
Die Rueckfahrt zog sich denn leider etwas in die Laenge, da sich einfach keine Rueckfahrgelegenheit bot. Aber wie das Leben so spielt. Als ich mich gedanklich schon auf eine lange Nachtwanderung eingestellt hatte (denn um sich irgendwo hinzulegen war es definitiv zu kalt), hielt dann doch noch ein Bus mit einer 2-koepfigen Reisegruppe und hat mich mitgenommen.
Am naechsten Morgen wollte ich mich dann um 5 Uhr morgens auf den Weg nach Cooper Pedy machen um einige Opale zu suchen. Leider blieb es bei dem Wunsch.
MEIN FAHRRAD WAR RICHTIG DEFEKT nach dem Freiflug vom Autodach. Zu diesem Zeitpunkt dachte ich noch, dass sich nur der vordere Kettenkranz verbogen hatte und ich einen neuen benoetigte.
Was nun sprach Zeus?
Der naechste groessere Ort mit guten Radgeschaeften war Adalaide. Aber bis dahin waren es noch 1330 km. Das Busticket sollte ein Vermoegen kosten, also blieb mir nichts anderes uebrig als wieder zu trampen.
Nach einigen erfolglosen Versuchen, eine Mitfahrgelegenheit mit meinem ganzen Gepaeck zu finden, erbarmte sich letztendlich ein Cattle-Road-Train-Driver (Viehtransporter). Wie sich spaeter herausstellte, eine super Wahl! Er fuhr zwar nicht bis Adalaide, aber immerhin bis Port Augusta, 300km vor Adalaide.
Von Cooper Pedy habe ich dann leider nur die Opalfelder aus dem Roadtrainfenster bewundern duerfen, da “wir” ja Lebendvieh geladen hatten, und “uns” somit lange Pausen nicht erlaubt waren.
In Port Augusta sind wir dann nachts bei stroemenden Regen, Kaelte und Wind angekommmen. Ich muss nicht gerade begeistert geschaut haben, denn Glen, der Fahrer, machte mir das Angebot mich noch bis Renmark mitzunehmen. Das bedeutete, ca. 450km mehr. Mit ein wenig Glueck, koennte ich dann im trockenen aussteigen.
Dort angekommen, war es tatsaechlich trocken und ich wollte mir einen Campingplatz suchen. Da diese fuer mein Budget alle zu teuer waren, beschloss ich im Busch mein Zelt aufzubauen.
Mit Sack und Pack habe ich zunaechst ein Fahrradgeschaeft aufgesucht, um meinem fahrbaren Untersatz wieder auf die Raeder zu helfen. Leider hatte der Zweiradmechaniker schon Feierabend. Zwischenzeitlich hatte es wieder angefangen zu regnen.(Wer hat behauptet dass Australien im Sommer schoenes warmes trockenes Wetter hat?) Frustriert habe ich mich bei McDonald mit meinem Computer ins trockene gesetzt um einem Freund eine SMS ueber mein Missgeschick zu schreiben. (Alois, ein einarmiger Motorradfahrer, den ich Monate zuvor an der Westkueste kennengelernt hatte und der mich mit der Bewaeltigung seines Schicksals sehr beeindruckt hatte) Kurz darauf rief er zurueck um mir anzubieten mich abzuholen und mit nach Melbourne (800km) zu nehmen.
Ich war begeistert und wir haben uns fuer den naechsten Tag verabredet. Da ich ja in den Bundesstaat Victoria wechselte, benoetigte ich eine entsprechnede Strassenkarte, die ich direkt in der naechsten Tankstelle kaufte. Der Verkaeufer, dem ich mein Missgeschick schilderte, rief sofort einen Hobby-Zweirad-Mechaniker an. Der (Leon) holte mich 5 Minuten spaeter ab um mir nicht nur bei meinem Rad zu helfen, sondern lud er mich auf "Anweisung" seiner Frau Albina, einer Italienerin mit entspechendem Temperament, zum Dinner ein. Zusaetzlich bot er mir an bei Ihnen zu schlafen. Ich nahm natuerlich sofort an!
Manchmal ist mir die Hilfsbereitschaft der Australier schon unheimlich!!!
Frust kam auf, als er mir zeigte, dass mein Rahmen verbogen war. Ich fing an “Panik” zu bekommen, denn in meinem Budget war definitiv kein neuer Rahmen enthalten.
Am naechsten Tag gegen Mittag kamen dann Alois und seine Frau Inge. Die Maenner fingen gleich an ueber mein Rad zu diskutieren und haben uns weggeschickt um fuer die beiden ein Hotelzimmer zu suchen. Als wir zurueckkamen war das Fahrrad repariert und ich konnte eine erste Probefahrt machen.
Ich war beeindruckt, das Rad funktionierte einwandfrei. DANKE, DANKE!!!
Tags drauf machten wir uns auf den Weg nach Melbourne.
Wir verbrachten einige Tage in den Grampians, einem Gebirgszug in Victoria.
Endlich bekam ich Kaengeruhs (Southern Greys) bis zum Abwinken zu sehen.
Gegen Abend besuchten uns mehrere Kaengeruhfamilien auf dem Campingplatz.
Dann ging es weiter ueber die beruehmete "Great Ocean Road.(die kurze Zeit spaeter teilweise ebenfalls unter Wasser stand)
Die Zeit bis Weihnachten werde werde ich bei meiner "Pflegefamilie" Inge und Alois verbringen.