Australien's Staatsfeind und ein "verliehenes" Fahrrad
Hatte ich schon mal erwaehnt, das ich die Roadtrains klasse finde und vor allem die Cattle(Vieh)-Transporter mit ihren tollen Geruechen die wir Radler immer etwas laenger geniessen koennen.
Nachdem ich dann meinem Rad gedanklich lebewohl gesagt hatte, wollte ich auf dem schnellsten Weg nach DARWIN trampen um mir ein neues Rad zu kaufen.
Meine erste Etappe ging dann bis Kununurra.
Dort gibt es einen an einem See gelegenen Campingplatz mit Suesswasserkrokodilen. Diesmal habe ich es auch geglaubt, denn ich konnte sie mir endlich mal aus der Naehe ansehen.
Zu meiner Frage ob ich in dem See baden duerfe, sagte man mir, ja denn die "Freschis" koennten mich ja nicht toeten sondern nur beissen und fuer die "Saltis" (Salzwasserkrokodile) habe man ja ueberall Fallen aufgestellt.
Allerdings konnte man mir nicht beantworten woher die "Saltis" wissen, das die Fallen fuer sie sind und nicht fuer die "Freschis".
Ich habe mir das Baden im See allerdings verkniffen und den Pool vorgezogen.
Auf dem Campingplatz habe ich auch die Gruppe Motorradfahrer getroffen, die ich tags zuvor bereits in Halls Creek kennengelernt hatte. Die Jungs hatten Mitleid mit mir und haben mich dann zum Abendessen eingeladen. Dabei stellte sich heraus, das sie am naechsten Tag mit dem Flieger unterwegs sein wuerden und tags drauf einen Angelausflug gebucht hatten. Da deren Motorraeder nun 2 Tage einfach nur rumstehen wuerden habe ich mich “geopfer” diese zu bewegen. War das schoen, sich auf 2 Raedern zu bewegen aber nicht treten zu muessen. Das hat mich doch voruebergehend den Diebstahl meines Rades vergessen lassen.
Unter anderem hat es mich zum Lake Argyle gebracht, der eine Wasserflaeche von ca. 1000qkm hat bei Hochwasser sich allerdings bis auf 2072 qkm ausdehnen kann. Da mir das Motorrad zur Verfuegung stand, habe ich auch einige Abstecher in die Berge gemacht um mir die eine oder andere Hoehle mit Aborigineszeichnungen anzusehen.
Da der Guide der Motorradgruppe ein Ersatzmotorrad dabei hatte, habe ich mich gleich eingebucht um mit ihnen gemeinsam nach Darwin zu fahren. Aber wie so oft....kommt alles anders.
Am Abend vor der Abreise bekam ich noch einen Anruf von der Polizei in Halls Creek.
“Man habe mein Fahrrad gefunden!”
"War das gut? Kann ich mich freuen? In welchem Zustand ist es?"
Diese Fragen gingen mir die Nacht ueber durch den Kopf. Am Vormittag des naechsten Tages lieferte die Polizei persoenlich mein Fahrrad am Campingplatz ab. Das war ausgesprochen nett, denn zurueck fahren ist nicht so meine Art.
“Haetten das unsere Ordnungshueter auch gemacht?”
Als ich das Rad dann in Empfang genommen hatte, standen mir doch fast die Traenen in den Augen. Alles was abzubrechen und abzumontieren war, war weg. Da hielt sich meine Freude doch in Grenzen.
Als erstes habe ich es gewaschen und DESINFIZIERT!!! Wenn ich nur an den Geruch der Aborigines denke wird mir ganz anders.
Anschliessend habe ich alle Bruchstellen bestmoeglich beseitigt und das Rad provisorisch mit gebrauchten Teilen wieder fahrbereit gemacht.
Kleine Anmerkung zu meiner GELBEN Farbe: Viele meinten ich sei verrueckt, so eine auffaellige Farbe zu waehlen, aber genau diese hat mir das Rad zurueckgebracht. Denn die Frau eines Polizisten hat einen Aborigines mit einem gelben Fahrrad gesehen und gleich an mich gedacht und ihren Mann verstaendigt. Waere es schwarz gewesen, waere es vermutlich nicht aufgefallen.
Die Aborigines haben eine andere Einstellung als wir zum Eigentum. Bei ihnen gibt es das nicht. Was einem gehoert gehoert allen. Daher haben sie sich mein Fahrrad dann auch "ausgeliehen".
Zwei Tage spaeter ging es dann auf den Weg nach Darwin.
Am Abend vorher habe ich eine Bootstour ueber den See gemacht, um die schoene Landschaft und den Sonnenuntergang zu geniessen. Dabei hatte ich eine kleine Meinungsverschiedenheit mit einer Wespe ueber Fotorechte. Da wir zu keiner Einigung kamen, hat sie mich kurzerhand ins Handgelenk gebissen. Mein Guide meinte, das tut jetzt 15min weh und dann ist es wieder gut. O.K., also still leiden und hoffen das er recht hat.
Bei der Tour begegneten mir auch zum ersten Mal die "Snakebirds". Ueberall gibt es Lebewesen die unter anderen Mitbewohnern dieser Erde zu leiden haben.
Der Vogel hat nicht nur einen langen Hals, sonderen auch einen langen spitzen Schnabel, mit dem er sich ins Wasser stuerzt und den Fisch aufspiesst. Wenn er nicht aufpasst, klaut ihm ein Pelikan diesen direkt vom Schnabel. Auch die kleinen Voegel auf dem rechten Bild haben ihn solanges im Sturzflug bedraengt, bis er das Weite suchte. Dieser Vogel ist einer der wenigen, die nicht den Fettschutz auf dem Federkleid haben, somit muessen sie sich immer wieder mit augebreiteten Federkleid in der Sonne trocknen.
Als ich am naechsten Morgen losfahren wollte, war meine Hand und der Unterarm auf das doppelte angeschwollen. Aber ich dachte, wenn ich radle, wird die Blutzikulation angeregt und das Gift verteilt sich schneller.
Denkste....nach ca. 70 km und der Ueberschreitung der Grenze von Western Australia nach Nothern Territory hatte ich dann “den Kaffee auf” und hielt an.
Ich wollte ja ueber die Grenze radeln, um zu erleben wie die Grenzbeamten mich nach Obst oder den Cane Toad fragen. (aber dazu spaeter). Zudem musste ich die Uhr um 1,5h vorstellen. Irgenwie lustig.
Auf dem Parkplatz habe ich dann so still vor mich hingejammert und gefleht, jemand moege vorbeikommen und mir eine Mitfahrgelegenheit anbieten.
Beim Schalten musste ich die Hand wechseln, denn ich konnte nicht mal mehr eine Faust machen. Musste, um die Schmerzen einigermassen zu ertragen, den Arm hochhalten. Sah sicherlich sehr lustig aus auf dem Rad.
Waehrend ich mich selber bemitleidete, hielt ein Caravan und siehe da, es waren Olive und Wayne, die ich bereits mehrfach getroffen hatte. Jedesmal boten sie mir eine Mitfahrgelegenheit an, die ich immer wieder abgelehnt habe. Diesmal habe ich gedanklich darum gebettelt, dass sie mir die rettende Frage stellen und siehe da, sie taten es. Manchmal braucht man nur ein wenig Glueck. Diesmal habe ich freudestrahlend ihr Angebot, mit ihnen nach Darwin zu fahren angenommen.
Mein Rad wurde in den Wohnwagen geladen und ich teilte mir mit ihrem Hund die Ruecksitzbank. Ich hatte kein Problem damit, aber er. Wir brauchten einige Kilometer, um uns darauf zu einigen, dass ich nicht sein Kopfkissen war und er sich ab jetzt mit nur 2/3 der Sitzbank begnuegen muesse. Er ist nur ein "ganz klein" wenig verwoehnt, wie man schon an dem eigenen Venitlator sehen kann.
Gluecklicherweise ist Olive Krankenschwester (wie war das mit dem Glueck?) und hatte die entsprechenden Mittel dabei, so dass meine Hand nach 4 Tagen wieder normal einsetzbar war. Mit den dreien war es eine lange aber sehr schoene Fahrt. Wir haben unterwegs das eine oder andere gemeinsam angesehen. Ich habe sogar mehrfach das Abendessen bereitet und beide leben noch!
In Darwin haben wir uns gemeinsam einen Campingplatz gesucht und ich konnte noch laenger die Annehmlichkeiten von Stuehlen, Kuehlschrank und hin und wieder einem klimatisierten Wohnwagen geniessen.
Am meisten hat wohl der Hund sich gefreut als ich mich verabschiedete. Denn ich habe versucht darauf zu achten, dass er nicht staendig irgendwelche Leckereien vom Tisch bekommt, da er zu dick war. Die Spaziergaenge mit mir waren nicht einfach nur um den Wohnwagen, er musste sich richtig bewegen.
In Darwin habe ich erst mal alle Fahrradlaeden aufgesucht um die Teile zu bekommen die benoetigte. Nun habe ich endlich einen BROOKS-Sattel. Ob sich mein Hintern freuen wird?
Auch hier haben wir viel gemeinsam unternommen. Unter anderem sind wir in den Lichfield National Park gefahren.
Neben vielen schoenen Wasserfaellen,
in denen man auch wunderbar schwimmen und sich abkuehlen konnte haben wir auch eine neue Bauart von Termitenhuegeln gesehen. Die “Magnetic Termite Mounds”
Kein Friedhof, sondern Termitenhuegel!
Sie bauen sie mit den flaechigen Seiten in Ost-West-Ausrichtung um so moeglichst wenig Sonneneinstrahlung aufzunehmen. Damit halten sie die Temperaturen konstant.
Auch die "Cathedral Termite Mouds" fallen hier etwas groesser aus.
Das einzige was ich noch vermisste, waren die “Saltis” oder Salzwasserkrokodile (der Name ist irrefuehrend, denn diese Spezies findet man im Salz- wie im Suesswasser) in ihrer natuerlichen Umgebung.
Um diese Tiere zu sehen bin ich im Tierpark gewesen. Aber es ist doch etwas ganz anderes sie in der freien Natur zu erleben.
In diesem Park sah ich auch meinen ersten Dingo (australiescher Wildhund)
und mein erstes Wallaby aus der Naehe. Denn die meisten Bilder von Kaengeruhs die ich so gemacht habe sehen so aus:
Da ich aber nicht unter die Angler gehen wollte, die mit relativ grosser Wahrscheinlichkeit "Saltis" zu sehen bekommen, vor allem wenn sie ihre Fischabfaelle im Wasser entsorgen, bin ich zu den "Spectacular Jumping Crocodiles" gefahren. Beeindruckend ist, dass sie direkt von den Urtieren unserer Welt abstammen. Da ich sie aber nicht in der freien Natur zu sehen bekam, buchte ich eine Tour, die garantiert, diese Krokodile zu erleben. Die Guides halten Fleischstuecke an einer Angel aus dem Boot und die Krokodile springen aus dem Wasser um die Beute zu erreichen.
Mein Glueck war, als ich dort ankam, dass ich die Erste und Einzige Tourist war. Da Personalmangel herrschte, wurde ich sofort in Arbeit genommen. Ich brauchte meine Tour nicht zu bezahlen und habe sogar noch Geld dabei verdient. Meine Arbeit bestand unter anderem darin das Fleisch fuer die Krokodile vorzubereiten.
Diese Spruenge waren fuer mich sehr beeindruckend. Diese grossen Tiere halb in der Luft zu sehen - Wahnsinn. Und wie man sieht scheint es ihnen Spass zu machen. Die junge Dame grinst. Die Geschlechtsunterscheidung erfolgt anhand der Groesse, denn die Weibchen sind kleiner als die Maennchen, die bis zu 7m lang werden koennen.
Krokodile haben die Angewohnheit Steine zu fressen um unter anderem die Verdauung zu unterstuetzen. Das bedeutet, wenn sie zum Sprung ansetzen, muessen sie erst mal mit dem Hintern ein wenig wackeln, damit sich die Steine nach hinten verlagern. Schon irre!
Darf ich vorstellen: "Michael Jackson" . Er wurde so getauft, da er einen weissen Kopf und einen schwarzen Koerper hat. Als wir ihn trafen, war er doch sehr hungrig mit seinen 5,10m und hat direkt in die Schiffsschraube gebissen. Ich war so fasziniert, dass ich mich ueber die Reling beugte um ein besseres Foto zu bekommen und er meinte doch glatt, da kaeme sein Abendessen. Ich bzw. mein Guide haben ihn aber eines besseren belehrt.
Wenn ich jemals ein Haustier bekomme, dann nur eine Phyton. Sie ist einfach das fuer mich schoenste und elegantest Tier.
Es gibt hier in den Nothern Territories noch eine besondere Spezies, die aehnlich alt ist wie die Krokodile. Der ARCHERFISHES oder Schuetzenfisch spuckt seine Beute, die aus Fliegen, Muecken und anderen kleinen Insekten besteht einfach von den Straeuchern, die ins Wasser ragen um sie dann zu fressen.
Jedes Land hat so seinen STAATSFEIND. Die Australier haben da etwas ganz besonderes - den CANE TOAD, eine Kroete die sie in Queensland zur Schaedlingsbekaempfung eingesetzt haben.
Diese kleinen Tiere haben keine natuerlichen Feinde und koennen sogar Krokodile toeten. Ihr Ruecken ist so giftig, dass alle Lebewesen die dieses Tier fressen oder den Ruecken lecken, vergiftet werden. Das einzige Tier, das klug genug ist die Kroete umzudrehen um sie vom Bauch aus zu fressen ist die Kraehe.
Der gruene Baumfrosch, den man immer wieder in der Camperkueche oder auf dem Klo trifft ist echt niedlich. Vor allem wenn er mit seinen Saugnaepfen an den Fuessen ueber Arme und Beine laeuft.
Nachdem ich mein Fahrrad mit neuem Sattel, Pedalen und Tachometer ausgestattet hatte, buchte ich einen Platz in dem geschichtstraechtigen Zug mit Namen “The Ghan” nach Alice Springs in die ROTE MITTE von Australien.
Der Name des Zuges stammt aus der Vergangenheit, als die Afgahnen noch mit Kamelen die Strecke von Adelaide bis Darwin bereist haben um sie zu versorgen. Im Jahr 1929 ging der Zug erstmals auf die Reise. Dennoch fanden die Kamele Arbeit im Outback bis in die 1960er Jahre.