Indien und Aerger mit DEUTSCHEN Beamten
Nach 14 Stunden Reisezeit erreichte ich Mumbai.
Dort gelandet, fuhr ich direkt zum Bahnhof, um auf dem schnellsten Weg (24h Zugfahrt) nach Delhi zu gelangen und dort das Pakistanvisum zu beantragen, was mir ja leider in meiner Sammlung noch fehlte.
Viele fragen sich vielleicht, warum fliegt sie nicht direkt nach Delhi. Als ich den Flug buchte, war ich noch voller Optimismus, mein Visum fuer Pakistan in Sydney zu bekommen. Fehlanzeige!
Als ich abends am Bahnhof ankam, waren die Schalter alle geschlossen. Wie die anderen Inder habe ich mich vor den Reservationsschalter gelegt und geschlafen, um dann am naechsten Tag zu erfahren, dass ich als Tourist in ein anderes Stadtviertel muss um mein Ticket zu bekommen. Letztendlich habe ich mein Ticket bekommen, aber erst fuer den folgenden Abend.
Das hatte den Vorteil, ich hatte noch einen Tag Sightseeing in Mumbai.
Die groesste Waescherei in Mumbai, in der bis zu 500 Leute arbeiten, war schon beeindruckend. Es gibt zwar Waschmaschienen, trotzdem wurde sehr viel mit der Hand gewaschen, da es einfach billiger ist.
Die Skyline ist schon morgens im Smog zu bewundern
Hotel Taj Mahal
Wie ueberall liegen Reichtum und Armut in Indien Tuer an Tuer. Dennoch lassen sich die Kinder nicht vom Murmeln oder Cricket abhalten.
Ghandi - immer wieder wird einem bewusst, was fuer ein beeindruckender Mann er war mit seinem passiven Wiederstand. Er hat in seiner Zeit sowohl die Inder als auch die Englaender mit seiner Lebensweisheit gepraegt.
"Tach" sagt der Bettler und seine Katze.
Auf meiner Zugfahrt wurde mir mal wieder vor Augen gefuehrt, in welchem Ueberfluss ich doch in Australien gelebt habe. Zwei warme Mahlzeiten am Tag und endlos viel Schoki....
Der Zug hielt an vielen Stationen. Oft stieg ich aus um mich mit Obst zu versorgen. Als ich die erste Banane zum Mund fuehren wollte, verschwand sie wie durch Zauberei aus meiner Hand. Vor mir stand ein kleiner Junge und strahlte mich an, waehrend er meine Banane ass. Das rief sogleich seine Freunde auf den Plan und ich war mein Obst los.
Beim naechsten Stopp war ich besser vorbereitet und kaufte gleich ein Kilo Bananen und schaffte es, eine davon selbst zu essen. So ging es weiter. Immer wenn ich mal ausstieg, war ich der Obstlieferrant fuer die Kinder. Es ist schon fastzinierend in die dann lachenden Augen zu schauen. Ich vertrete nach wie vor die Einstellung, bettelnden Kindern kein Geld zu geben, sondern etwas, von dem sie einen direkten Nutzen haben.
Eine Situation traf mich dann doch. Bei einem Stopp stand ich draussen und vertrat mir die Beine und beobachtete, wie die Reisenden aus- und einstiegen und einen grossen Bogen um eine Pfuetze aus Erbsensuppe (Dal) vor dem Eingang machten. Einer der vielen Bettler bueckte sich und probierte die Erbsen auf dem Boden und befand sie fuer gut. Dann holte er seinen Napf aus der Tasche, schob alles darauf, um sich dann in die Ecke zu hocken und mit einem zufriedenen Gesichtsausdruck seine "kostenlose" Mahlzeit zu essen.
In Delhi angekommen, scheckte ich ein und machte mich gleich am naechsten Morgen auf zur Pakistanischen Botschaft. Das wiederholte sich drei Mal bis die pakistanischen Beamten genug hatten und mir ein Visum zusagten. Bedingung war die telefonische Bestaetigung der deutsche Botschaft.
Ha, dachte ich, das waere geschaft. Die deutschen Botschaftsbeamten sind ja wohl dazu da, uns im Ausland zu helfen. Was ich jetzt in Delhi erlebte, habe ich bis dahin noch auf keiner Botschaft erfahren. Nicht nur, dass die Beamtin sehr unfreundlich, aggressiv und uebellaunig reagierte, sie sah nicht ein, fuer mich, die mit dem Rad allein durch Pakistan radeln will auch nur einen Finger zu ruehren. Mal abgesehen davon, dass sie das nichts anging, wie ich das Land bereise, sollte sich der deutsche Staat seine Angelstellten besser aussuchen, denn eine Botschaft ist das Aushaengeschild im Ausland.
Also ueberlegte ich mir Alternativen wie es nun weitergehen sollte. Eine grosse Auswahl hatte ich nicht. Es bedeutete: Wieder mit dem Rad in den Flieger und direkt in den Iran um Pakistan zu umgehen. Das Iran-Visum hatte ich ja bereits in meinem Pass, was auch nicht ganz einfach war.
Um mir eine etwas "devotere" Haltung anzueignen, habe ich mich spontan zum 2. Mal in einen 10-taegigen Vipassana Meditationskurs begeben.
Dieses Mal war es um einiges haerter fuer mich, aber das Ergebniss war wieder genial. Natuerlich bin ich endlos weit davon entfernt den Zielen der Meditaion nahe zu kommen.
Den ersten Schritt habe ich aber getan.
Ich wuensche mir fuer mein naechstes Ziel, dem Iran, einfach mehr Geduld im Umgang mit dem schwachen Geschlecht (in diesem Falle dem Mann, denn die Frauen muessen sich ja verhuellen um die Maenner nicht in Versuchung zu fuehren).
Ich bin sehr gespannt auf dieses Land, denn es ist fuer mich eine Pemiere in diesem Kulturkreis zu reisen. Ich war zwar bereits in islamischen Laendern, in denen wurde allerdings der Islam gemaessigter gelebt.
In den naechsten Tagen werde ich mich, neben Sightseeing in Delhi, darauf vorbereiten. Das bedeutet unter anderem warme Kleidung, Burka und Kopftuch zu kaufen.
Nach meinem derzeitigen Informationsstand muss ich damit rechnen, Schneeflocken auf meiner Nasenspitze zu spueren.
Der LOTUS - TEMPEL in Delhi (nicht zu verwechseln mit der Oper in Sydney - oder doch?!)
Ein Marktbesuch mit einer indischen Lehrerin war hochinteressant. Unter anderem fragte ich sie, ob sie heiraten duerfe wen sie wolle. Sie bejahrte es, wuerde es aber vorziehen, wenn ihre Eltern einen Mann aussuchen. Sie traute dem Urteil und Geschmack ihrer Eltern mehr als ihrem eigenen. Fuer Europaer ganz schoen ueberraschend.
Auf dem Markt wurde nicht nur verkauft, sondern es gab kulturelle Darbietungen aus vielen Regionen Indiens.
In Indien gibt es noch wenige freilebende Tiger, aber sie muessen noch besser geschuetzt werden.
Der Gefangenentransport, aeh ich meine natuerlich der SCHULBUS!
Das war wohl heute mein letzter Bericht aus dem verrueckten und wunderbaren Indien.