Indonesien / Flores 10.000 Hoehenmeter von West nach Ost...
Nach der Expedition per Boots ging es wieder sportlich weiter.
Am folgenden Morgen habe ich mich auf den Weg gemacht, um Flores zu entdecken. Ueber die geographischen Bedingungen der Insel habe ich mich nicht wirklich informiert, Kartenmaterial war nicht zu bekommen und somit war mir nur bewusst, das Flores aus vielen Vulkanen besteht. Also los auf Entdeckungstour!
Die geringe Einwohnerzahl (1,5 Mio) der Insel machte mir aber gleich schon am ersten Tag klar, dass auch hier mir das Leben schwer gemacht wird, was meine primaere Beduerfnissbefriedigung angeht. Wieder ohne Fruehstueck gestartet, und schon kurz vor dem Verhungern
ueberholte mich ein Suppenmoped. Meine Versuch, es zum Anhalten zu bewegen kam leider zu spaet. Ein LKW-Fahrer der mich gerade ueberholte, hatte ein Einsehen und brachte das Moped zum stehen. So kamen wir beide in den Genuss einer wohlschmeckenden Suppe.
Am ersten Tag legte ich nicht ganz 50 km zurueck, die aber dafuer konstant steil bergauf. Nun bekam ich einen Eindruck ueber den Weg der noch vor mir lag und was es heisst eine Insel mit dem Rad zu bereisen die nur aus Vulkanen besteht.
Am 2. Tag ging es dann endlich mal bergab. Das Vergnuegen war allerdings nur von kurzer Dauer, denn nach ein paar Kilometern hoerte ich einen lauten Knall. Es war ein Speichenbruch in meinem Vorderrad.
Die letzten km legte ich dann mit dem Bus zurueck und hoffte, Speichen in Ruteng fuer mein Vorderrad zu bekommen. Ich fuehre zwar Speichen mit mir, allerdings nur fuers Hinterrad. Die Suche in Ruteng wurde nur mit unglaeubigen Blicken begleitet, blieb aber erfolglos. Dafuer versprach ein Freund aus Singapur, mir die Speichen per Express nach Flores zu schicken.
Waehrend ich wartete, erkundete ich die Insel auf dem herkoemlichen Weg mit dem Bus. Im Nachhinein war ich endlich mal so richtig gluecklich ueber einen Speichenbruch. Denn die Motivation mit dem Rad ueber 10000 Hoehenmeter zurueckzulegen war nicht sooo gross.
Eine Reise wert ist diese Insel auf jeden Fall! Sie ist landschaftlich ein Traum!
Mein erstes Abenteuer erlebte ich auf der kleinen Insel Lembata die 4 Stunden Faehrzeit oestlich von Flores im Solararchipel liegt.
Auf dieser Insel gibt es ein kleines Dorf mit dem Namen "Lamalera", auf der die Fischer vom Walfang leben. Sie jagen nur fuer den Eigenbedarf und als Tauschmittel fuer Obst und Gemuese. Ein gefangener Wal wird komplett zerlegt und an das gesamte Dorf verteilt.
Nach einer abenteuerlichen LKW-Anfahrt erreichten wir das Dorf.
Als ich ausstieg schlich sich schon der Geruch von tranigem Fett in die Nase, den ich auch bis zur Abreise nicht mehr los wurde. Denn erst vor 14 Tagen hatte sie 2 Wale gefangen. 2009 waren sie erfolglos, dafuer hatten sie dieses Jahr bereits 6 Wale erlegt. Sie jagen aus Glaubensgruenden nur Pottwale. Warum konnte ich nicht ermitteln.
Ueberall lagen Knochen herum, hingen die Fleischstuecke in der Sonne um das Fett aufzufangen (wovon die Bewohner taeglich aus gesundheitlichen Gruenden einen Loeffel zu sich nehmen)
Wenn keine Wale da sind, machen sie alternativ Jagd auf Mantas, Delphine oder Haie. In dieser Zeit nehmen sie auch Touristen mit an Bord. Beim Walfang ist es fuer die Touristen zu gefaehrlich, da die Boote durch die Kraft der Wale oft kentern. Waere ja eigentlich schade um die Touristen, denn sie bringen ja Geld ein.
Auch eine Jagd auf andere Grossfische ist sehr spannend.
Hier schaerft der Fischer den Angelhaken.
Mir gefallen die Delphine viel besser im Wasser als tod auf dem Boot!
Die Anzahl der Besatzung ist fuer so ein kleines Boot hoch, aber jeder hat seine spezielle Funktion. Vom Heck angefangen waren da der Bootsfuehrer der den Motor bedient und das Boot steuert. Als naechstes sind da zwei aeltere Maenner, die zu Beginn mitruderten, dann aber nur noch mit dem schoepfen von Wasser aus dem Boot beschaeftigt waren. Vor mir standen (was bei dem Seegang nicht immer leicht war) 2 Fischer, die Ausschau nach Beute hielten. Als naechstes ist da die Person, die dem Bootsfuehrer anzeigt, in welche Richtung das Boot zu steuern sei, wenn Beute gesichtet wird. Am Bug steht der Jaeger mit der Harpune (Bambusstab mit einem Haken, der wiederrum mit dem Boot ueber ein Seil verbunden ist. Der Jaeger springt mit der Harpune ins Wasser um in den Wurf noch mehr Kraft zu legen.
Fischerboot unter Segeln.
Beim Wandern trifft man immer wieder auf Walknochen.
Wenn die Boote mit dem Fang anlanden, werden sie von den Kindern entladen.
Die Beute wird komplett zerlegt und verteilt, da jeder im Dorf irgendwie mit den Fischern verbunden ist oder am Fischfang beteiligt war.
Eine Wanderung durch die Doerfer zeigt wie schoen die Insel ist und mit welcher Froehlichkeit die Menschen hier leben und Gaesten begegnen.
Nicht jeder sah mir unbefangen entgegen.
Zurueck auf FLORES ging es zu einem kleinen Ort mit dem Namen Moni. Von dort aus ist der Vulkan Kelimutu gut zu erreichen. Der 1639m hohe Vulkan ist bekannt fuer seine 3 verschiedenfarbige Seen, die im Laufe der Jahre ihre Farben mehrfach gewechselt haben. Rot, schwarz, gruen, tuerkis....Es ist immer wieder eine Ueberraschung was die Seen fuer ein Farbenspiel zu bieten haben.
Wie das bei einem Besuch eines Vulkanes bei mir ueblich ist, ..... es fing natuerlich an zu regnen........langsam wird es langweilig....
Von dort aus kam ich zu einem kleinen ganz urspruenglichen Ort an der Nordkueste von Flores, nach RIUNG. Ein Ort, dessen Besonderheit die "17 Islands" vor der Kueste sind. Eigentlich sind es ja mehr als 20 Inseln, da aber der Nationalfeiertag der 17.Aug. ist, hat man diese Bezeichnung gelassen.
Der Weg dorthin war wieder sehr beeindruckend.
Auch der Stopp an einem Markt hat sich gelohnt. Da frage ich mich doch was das "kleinliche Rauchverbot" an unseren Tankstellen auf sich hat. Man kann den Sprit auch abfuellen mit einer brennenden Zigarette.
In Riung habe ich ein Boot gemietet um die umliegenden Inseln zu besuchen. Auf einer leben tausende von den "Flying Fox" (Fliegende Hunde) Diese fliegen Nachmittags aufs Festland und nach Futter, das hauptsaechlich aus Fruechten besteht, zu suchen. Ein tolles Schauspiel. Ob die Farmer das auch so sehen ist fraglich...
Weiter ging es zu anderen Inseln um zu schnorcheln und zu schwimmen. Bestimmt gibt es spektakulaerere Unterwasserwelten (ich bin da ja mitlerweile auch sehr verwoehnt) aber diese unbewohnten Inseln wo man hin und wieder einem Fischer begegnet, wo der Capitaen mal eben einen Squid fuer den Lunch aus dem Meer zieht laesst schon das Gefuehl eines Lebens wie Robinson Cruso aufkommen.
Das naechste Ziel hies Bajawa. Eine Stadt in den Bergen. Hier gibt es einen Vulkan mit dem Namen Wawo Muda, der letztmalig 2001 ausgebrochen ist. Dabei sind 2 Seen in unterschiedlicher Farbe entstanden und somit wird er auch als Mini-Kelimutu bezeichnet. Von dem Vulkan hat man auch eine spektakulaere Aussicht auf den Gunung (Berg) Inerie.
Was soll ich sagen, kaum hatte ich die Aussicht genossen......fing es an zu regnen...langsam glaube ich, ich koennte auch als Regenmacherin mein Geld verdienen. Stefanie Claassen braucht nur einen Vulkan zu besteigen und das Wetter wird schlecht!
Trotz Regen und Kaelte(brrrr, bin Kaelte einfach nicht mehr gewohnt
) habe ich mich dann auf gemacht, noch einige urspruengliche Doerfer zu besuchen. Das Dorf Bena zum Beispiel wurde von der Indonesieschen Regierung unter Denkmalschutz gestellt, da die neuen Haeuser alle nur noch mit einem Blechdach versehen werden. Dies ist guenstiger, pflegeleichter und schneller.
Es spielt sich hier ein ganz normales Dorfleben ab. In der Mitte des Dorfes stehen Geisterhäuschen und Totenhäuser, wo immer noch animistische Rituale stattfinden. Davon zeugen auch die Büffelhörner mit denen die Häuser geschmückt sind. Auch wenn in einer Felsgrotte gleichzeitig eine Madonnenfigur verehrt wird, sind die Megalithkulturen immer noch lebendig und bestimmen das Dorfleben. Das Christentum fliesst nur langsam ein und lebt nur in Kombination mit dem Animismus.
Der Animismus ist eine allgemeine schriftlose, in Reinform ausschließlich bei Jaeger -Sammler-Kulturen verbreitete Religion indigener Voelker. Der Animismus ist sowohl als Religion wie auch als Regelwerk zum Aufbaus der Sozialkultur zu verstehen.
Die Figuren auf dem Dach zeigen die Zugehoerigkeit zu einer bestimmten Kaste.
Die Schadelknochen von Rindern, Ziegen und Wasserbueffeln im Hintergrund der Marktfrauen laufen ihnen nicht entgegen, denn die Maden verlassen ihr Paradies nur ungern.
Nun geht es auf den Rueckweg ueber Ruteng mein Fahrrad einladen und nach Labuan Bajo. Ich habe die Hoffnung, dass meine Speichen angekommen sind.
Hurra, die Speichen sind da! Ich habe sie montiert und mich auf den Weg Richtung Bali gemacht um ganz in Ruhe irgendwann am Flughafen in Bali einzutreffen um meinen Flieger nach Australien zu nehmen. (Jetzt wird es ernst)